Kaiser Wilhelm Museum, Nord-Ost-Seite, 1897
Archiv Kunstmuseen Krefeld


Kaiser Wilhelm Museum, Entwurfszeichnung vom Architekten Hugo Koch (1846-1921)
Archiv Kunstmuseen Krefeld


Kaiser Wilhelm Museum, Foyer, 1969
Foto: Schambach & Pottkämper


Kaiser Wilhem Museum
Großer Oberlichtsaal, 2016


Johan Thorn Prikker
Lebensalter, 1923
Wandmalerei
Kaiser Wilhelm Museum


Kaiser Wilhelm Museum
Treppenanlage, 2016

KAISER WILHELM MUSEUM

Das Kaiser Wilhelm Museum ist ein imposantes Gebäude mitten in der Stadt Krefeld, das den eklektischen Stilpluralismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts zur Schau trägt. Der offene Dreiflügelbau, der sich um einen (Skulpturen-)Hof legt, nimmt formal Bezug auf die Palastarchitektur der italienischen Renaissance. Auf einer hohen Sockelzone aus Basaltlava setzt ein zweigeschossiger Werksteinbau aus Sandstein auf. Ein Mittelrisalit beherrscht die Fassadenfront im Osten. Drei Rundbögen bilden hier den Eingang zum Museum. Über die Balustrade hinaus bekrönt eine Skulpturengruppe von Hugo Lederer (1871-1940) den Mittelrisalit. Sie zeigt den geflügelten Genius der Kunst, der das Kunsthandwerk in Gestalt zweier männlicher gelagerter Figuren beschützt. Die Bronzegruppe von 1898 war der erste öffentliche Auftrag, den der Berliner Bildhauer erhielt. Die Außenhaut des Gebäudes wird durch den Einsatz von bossierten Rustikasteinen bestimmt, die die Gebäudeecken und die Fenster markieren. Blendarkaden und aufwendig gerahmte Nischen bereichern die großen Werksteinflächen vor allem im zweiten Geschoss. Im Südwesten lehnt sich seit 1950 ein großes Bronzerelief, "Stiertreiben" (1913), von dem Berliner Bildhauer Louis Tuaillon (1862-1919) an den Eckturm an. Das Werk war 1913 vom Kultusministerium, Berlin, und der Stadt Krefeld in Auftrag gegeben worden.

Die Baugeschichte des Kaiser Wilhelm Museums ist überaus lebhaft. Nach dreijähriger Bauzeit wurde das Gebäude 1897 als Denkmal für Kaiser Wilhelm I. wie auch als Kunstgewerbemuseum eröffnet und bestand vorläufig nur aus dem heutigen östlichen Querriegel. Eine großzügige Freitreppe führte direkt in die erste Etage, wo eine ganzfigurige Marmorstatue "Kaiser Wilhelm I" (1898-1899) von Gustav Eberlein (1847-1926) in der ausladenden Treppenanlage den Besucher empfing. Der Entwurf des Gebäudes stammte von dem Architekten Hugo Koch (1846-1921), der sich mit seinen Plänen auf die Wettbewerbsentwürfe von Giese & Weidner, Dresden (2. Preis), und Werdelmann & Hennig, Leipzig (3. Preis), stützte. Die Wettbewerbsausschreibung für den Neubau hatte zuvor keinen Sieger hervorgebracht.

Aus Platzgründen plante man bereits kurze Zeit später einen Erweiterungsbau, der 1912 mit dem von Hugo Koch entworfenen Süd- und Nordflügel realisiert wurde. 1942 kam es zur kriegsbedingten Schließung des Museums. Den Zweiten Weltkrieg hat das Gebäude, das nun vor allem als Museum für bildende Kunst diente, unbeschadet überstanden. Nach 1945 wurden die Räume zunächst von städtischen Ämtern und Institutionen mitgenutzt.

Unter dem Direktor Paul Wember wurde das Museum 1960 abermals geschlossen, nun aufgrund von projektierten Umbaumaßnahmen, mit denen jedoch erst ab 1966 nach den Plänen des Baudirektors Röhm begonnen wurde. 1968 öffnete das Kaiser Wilhelm Museum wieder seine Türen: Die repräsentative Freitreppe musste allerdings einer neuen Straßenführung vor dem Gebäude weichen, die historische Freitreppe im Innern wurde durch eine leichtere, zeitgenössische Variante ersetzt. Die Statue "Kaiser Wilhelm I" befindet sich heute im Außenbereich an der Nordseite des Museums.

Von 2012 bis 2016 wurde das Kaiser Wilhelm Museum vom Keller bis zum Dach grundlegend saniert und gemäß internationalen Museumsstandards für Klima und Sicherheit ausgestattet. Der historische Baubestand wurde dabei denkmalgerecht behandelt; je nach dem bestehenden Material und dem baulichen Befund wurde restauriert, rekonstruiert oder neu geschaffen. So treffen nun im Innern des Gebäudes originale Bauelemente aus der Zeit der Jahrhundertwende auf moderne Sequenzen und aktuelle Technik.

Eingangsbereich, Foyer, Caféteria und öffentlicher Sanitärbereich sind neu und klar strukturiert und grenzen sich voneinander ab. Aus Gründen des Brandschutzes verschließt nun eine Decke die ehemals offene Treppenanlage, so dass im ersten Obergeschoss ein neuer Ausstellungsraum entstanden ist. Eine großflächige dreigeteilte Lichtdecke sorgt für ausreichend Beleuchtung und eine repräsentative Atmosphäre im Foyer, wo sich auch der Museumsshop befindet. Die zweiseitige öffentliche Treppenanlage, die die Etagen miteinander verbindet, befindet sich unmittelbar hinter der Hauptfassade des Museums. Ihr kompakter, weiß gestrichener Betonkorpus windet sich auf zwei Seiten spiegelbildlich spiralig nach oben und bildet damit einen spannungsreichen Kontrast zur klaren Abfolge der Stockwerke. Durch diesen Eingriff haben sich zudem zwei kleine Vorhallen vor den eigentlichen Ausstellungsräumen ergeben. Unabhängig vom Ausstellungsbetrieb zeigt sich nun die Hauptfassade des Museums zur Krefelder Innenstadt hin transparent und offen – ein wesentlicher Aspekt des vom Büro BRENNE ARCHITEKTEN, Berlin, entwickelten Gesamtkonzeptes. Der neue Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss ist als Multifunktionsraum ausgestattet, in dem neben der Präsentation von Kunst auch Vorträge, Filmabende und Diskussionsrunden stattfinden können.

Die Abfolge der Ausstellungsräume richtet sich weiterhin nach dem U-förmigen Grundriss des Gebäudes. Auf der ersten Etage wurden die abgehängten Decken entfernt, die in den 1960er Jahren installiert worden waren. Damit hat jeder Raum seine ursprünglichen Proportionen zurückerhalten, und der Blick auf die variantenreichen bauzeitlichen Kassettendecken ist wieder frei. Ein modulares Lichtsystem aus Leuchtröhren fügt sich in die jeweilige Deckenstruktur ein und bildet mit seinem klaren, industriellen Charakter einen Kontrast zum historischen Baubestand. Einheitlich hohe Durchgänge schaffen neue Sichtachsen, die die Orientierung erleichtern und die Großzügigkeit des Gebäudes unterstreichen. Die Fensterseiten haben eine vorspringende Wandverkleidung erhalten, hinter der sich die Technik für die Klimatisierung verbirgt. Ein zweites Fenster, das für den Wärme- und Einbruchschutz sorgt, steht innen vor den originalen Fenstern und rahmt trotz seiner Größe dezent den Ausblick.
Im zweiten Obergeschoss liegt das Wandgemälde Lebensalter von Johan Thorn Prikker (1868–1932) mit seiner Darstellung des Kreislaufs des Lebens nach fast vierzig Jahren erstmals wieder frei. Der Künstler hat den Zyklus 1923 in Secco-Technik (auf trockener Kaseinschicht) für den Ort geschaffen. Um die originalen räumlichen Parameter wiedererlebbar zu machen, wurde die Fensterfront des Saales nach historischem Fotomaterial rekonstruiert. Die beiden von dem Künstler Joseph Beuys (1921–1986) selbst installierten Werkräume im Nordflügel wurden klimatisch aufgerüstet, daher musste der Teppichboden durch einen Linoleumbelag ersetzt werden. Abgesehen davon ist die Installation im Originalzustand zu sehen.

Im Vorfeld der Generalsanierung hat das Institut für Gebäude- und Solartechnik der Technischen Universität Braunschweig in Untersuchungen und aufwendigen Simulationen die Möglichkeiten der Klimatisierung des alten Gebäudes erforscht. So entstand eine Kombination aus zentraler und dezentraler Klimaanlage, die die Ausstellungsräume und die Magazine versorgt. Die dezentrale Klimaanlage besteht aus einer technischen Einheit, die in den Ausstellungsräumen unterhalb der Fenster eingefügt wurde, einer speziellen Fensterkonstruktion, die einen Luftaustausch ermöglicht, und einer Fußbodenheizung, die im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt wird. Diese Komponenten greifen ineinander und sorgen für ein konstantes Klima. Das Gebäude erfüllt heute die internationalen Museumsstandards für Raumtemperatur und Luftfeuchte.

Die komplette Dachlandschaft des Kaiser Wilhelm Museums wurde erneuert. Die originale Stahlkonstruktion, die das Dach oberhalb der Tageslichtdecken des zweiten Obergeschosses trägt, konnte größtenteils erhalten werden. Die Glasflächen sind teils mit Sonnenschutzraster, teils mit beweglichen Screens versehen, so dass kein direktes Sonnenlicht in die Ausstellungsräume gelangt. Im Bereich des gesamten Nordflügels wurde das Dach angehoben. Hier können zukünftig Büroräume entstehen. Aufgrund des Dachausbaus sind zwei Tageslichtdecken entfallen.