Christo, Wrapped Floors, 1971 (Modellcollage)
© Christo


Museum Haus Lange


Museum Haus Esters

MUSEEN HAUS LANGE UND HAUS ESTERS

Das Villenensemble Haus Lange und Haus Esters zählt zu den architektonischen Glanzlichtern des Neuen Bauens in Deutschland und vermittelt noch heute auf beeindruckende Weise den Bauhaus-Gedanken, der die Einheit von Raum und Subjekt ebenso wie das Zusammenwirken von Geist und Handwerk vorsah.

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) legte 1927 den Bauherren Hermann Lange (1874-1942) und Josef Esters (1884-1966) eine erste Grundrisszeichnung für Haus Esters vor. Mies van der Rohe schloss gerade seine Arbeit an der Bauausstellung des Deutschen Werkbundes "Die Wohnung" in Stuttgart (Weißenhofsiedlung) ab. 1929 sollte von seiner Hand der sogenannte Barcelona-Pavillon, ein Ausstellungspavillon, als deutscher Beitrag für die Weltausstellung in Barcelona entstehen. Haus Lange und Haus Esters nehmen eine Mittlerfunktion zwischen der rationalen, geometrischen Raumauffassung, wie sie der Architekt mit seinem Wohnblock in Stuttgart praktiziert hat, und dem offenen Raumkonzept des Barcelona-Pavillons ein.

Die Konstruktion der Backsteinvillen wird durch zahllose Stahlträger unterstützt, die zu einem großen Teil waagerecht in den Böden des ersten Geschosses liegen. Um ein autonomes Stahlgerüst handelt es sich dabei allerdings nicht, wenn auch der Backsteinhaut selbst keine tragende Funktion zukommt. Einzelne kubische Baueinheiten scheinen wie Schachteln zusammengesteckt. Im Innern greifen die Raumsegmente ineinander über. Zur Straßenseite hin wirken die Gebäude relativ geschlossen und kompakt. Auf der Rückseite staffeln sich die kubischen Elemente treppenstufenförmig, ausgehend von der schmalsten Seite im Westen nach Osten, wobei das Raumvolumen zunimmt. Unterhalb der selbst geometrisch gegliederten Terrasse bestimmen große Rasenflächen und der alte Baumbestand den naturhaften Eindruck der parkartig angelegten Gärten. Große Fensterfronten, die durch die Stahlkonstruktion möglich wurden, öffnen die Backsteinkörper zur äußeren Umgebung hin und lassen das Licht von Süden und Westen in die Räume fluten.

In seinem ersten Entwurf von 1927 hatte Mies van der Rohe die beiden Häuser weitaus radikaler, in ihrem Grundriss offener konzipiert, als sie dann schließlich realisiert wurden. In einem Brief hält Hermann John, ein Assistent von Mies van der Rohe, fest: "Ich war gestern mit Herrn Esters und Herrn Langner in Guben [Haus Wolf in Guben, 1927 von Mies van der Rohe erbaut]. Beide Herren waren begeistert, sind jedoch von dem Vorsatz, dass die einzelnen Zimmer durch Türen getrennt sein müssen nicht abzubringen."

Mies van der Rohe hat entsprechend den Wünschen seiner Auftraggeber Haus Lange und Haus Esters mit zum Teil geschlossenen Räumen versehen. Dennoch haben die Entwürfe dadurch nichts von ihrem modernen Impetus verloren.

Über den Baukörper hinaus prägte Mies van der Rohe gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin, der Innenarchitektin und Designerin Lilly Reich (1885-1947), auch die Innengestaltung der Häuser. Die Böden bestehen aus Nussbaum oder Eiche, und die Fensterleibungen mit den Heizkörperverkleidungen, ebenfalls aus Nussbaum oder Eiche, sind noch im Original erhalten. Vitrinen und Anrichten (heute verblendet) wurden vollständig oder zu zwei Dritteln in die Wand eingelassen. Eine flexible Holzwand ermöglichte in Haus Lange die Trennung zwischen Halle und Essbereich. Die Detailplanung reichte bis zu den Deckenlampen, den Türgriffen und Schrankknöpfen. Umlaufende Bilderleisten an den Wänden deuten noch heute an, dass die damaligen Eigentümer Lange und Esters selbst Sammler zeitgenössischer Kunst waren und die Räume mit Gemälden ausstatteten. Hermann Lange wie auch Dr. Josef Esters waren Direktoren der Verseidag, eines Zusammenschlusses mehrerer Krefelder Textilunternehmen. Hermann Lange war zudem Mitglied im Deutschen Werkbund und unterstützte die Bemühungen des damaligen Museumsdirektors Friedrich Deneken (1857-1927), Kunst, Handwerk und Wirtschaft zusammenzubringen. Wohl über den Berliner Galeristen Carl Nierendorf lernten sich Hermann Lange und Ludwig Mies van der Rohe 1927 kennen. 1930 wurden beide Gebäude fertiggestellt.

Seit 1955 wird Haus Lange und seit 1981 Haus Esters als Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst durch die Kunstmuseen Krefeld genutzt. Ulrich Lange (1905-1972), der Sohn des Bauherrn, schenkte in einer großzügigen Geste 1968 der Stadt Krefeld sein Haus, um damit diesen Ort für zeitgenössische Kunst in Krefeld fest zu installieren.

Basierend auf der Privatinitiative Krefelder Bürger und gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen sind beide Häuser zwischen 1998 und 2000 umfassend saniert worden. Im Zuge der "Euroga 2002+" konnten zwei Jahre später auch die Gärten dem ursprünglichen, ebenfalls auf Mies van der Rohe zurückgehenden Konzept wieder weitgehend angenähert werden. Werke von Ludger Gerdes ("Ichs", 1989), Richard Long ("Turf Circle", 1969/70), Ulrich Rückriem ("Granit", 1985) und Richard Serra ("Elevations for Mies", 1985) bereichern heute die kleine Parkanlage. Im Grünbereich vor den Häusern befinden sich Arbeiten von Claes Oldenburg ("Cross-section of a Toothbrush with Paste", 1981-1983) und David Rabinowitch ("Metrical (Romanesque) Construcions in 5 Masses and 2 Scales VI", 1977/78). Im Wirtschaftshof von Haus Esters befindet sich die Bronzeplastik "Frau" (2000) von Thomas Schütte, und der Schriftzug "SPANNUNG GENUG / EINEN STEIN ZU HALTEN / ÜBER DEM RHEIN" (1985) über dem Eingang desselben Hauses stammt von Lawrence Weiner.

Die Museen Haus Lange und Haus Esters sind zu den wechselnden Ausstellungen geöffnet. Während der Umbauphasen zwischen den Ausstellungen bleiben die Häuser geschlossen.