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ZWISCHENSPIEL
FILME UND VIDEOS AUS DER SAMMLUNG

KAISER WILHELM MUSEUM
12. – 26. MÄRZ 2017

Das Film- und Videoprogramm ZWISCHENSPIEL stellt jeden Tag ein anderes Highlight aus der Sammlung der Kunstmuseen Krefeld vor. Zu sehen sind vor allem Werke bildender Künstler, die um 1970 Aktionen und Performances für die Kamera entwickelt haben. Das Bildformat des Monitors gibt den Rahmen für die Handlung vor, in dem die Künstler agieren. Andere Arbeiten zeigen, wie Künstler elektronische Bilder verändern und mit found footage, gefundenem Bildmaterial, neue Zusammenhänge schaffen. Dreizehn Tage wird das Kaiser Wilhelm Museum zum Kino und zu einem Ort, an dem die Besucher in die Frühzeit der Videokunst eintauchen können.

Das Filmprogramm findet im ersten Ausstellungsraum auf der ersten Etage des Kaiser Wilhelm Museums statt. Alle weiteren Räume sind bis zur Eröffnung der Ausstellung Das Abenteuer unserer Sammlung II geschlossen.

EINTRITT
Erwachsene   1,00 EUR
Ermäßigt 0,50 EUR

PROGRAMM
 

12. März, Sonntag
Paul McCarthy
Painter, 1995, 50 min
 
In seiner humorvollen und zugleich aggressiven Performance parodiert Paul McCarthy (*1945 Salt Lake City/Utah, USA) die Ernsthaftigkeit der Künste und übt damit Kritik an einer tradierten Vorstellung von einem genialischen Künstler, der mit Furor Kunst aus sich selbst heraus erschafft.
 
14. März, Dienstag
Peter Campus
Three Transitions, 1973, 5 min
Trilogie: Four Sided Tape, 1976, 4 min, East Ended Tape, 1976, 6 min, Third Tape, 1976, 5 min 45 sek, Six Fragments, 1976, 5 min 21 sek


Peter Campus
Three Transitions, 1973, Farbe, Ton, 5’
(Filmstill)
Slg. Kunstmuseen Krefeld
© der Künstler

 

Das Experimentieren mit dem Medium Video in einem Spiel von Illusion und Realität, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstbild sowie die Vereinigung von augenscheinlich zusammenhanglosen Bildsequenzen zu einem großen Ganzen – dies alles macht diese fünf Werke von Peter Campus (*1937 New York, USA) so faszinierend. Campus zählt zu den ersten Videokünstlern, die sich intensiv mit den technischen Möglichkeiten des neuen Mediums auseinandergesetzt haben.
 
15. März, Mittwoch
Ulrich Rückriem
Teilung, 1971, 9 min 21 sek
Kreise, 1971, 9 min 45 sek
Diagonalen, 1971, 2 min 36 sek


Ulrich Rückriem
Kreise, 1971, s/w, Ton, 9‘ 45‘‘
(Filmstill)
Slg. Kunstmuseen Krefeld
© der Künstler

 

Der Bildhauer Ulrich Rückriem (*1938 Düsseldorf, Deutschland) schafft unter Einsatz weniger Hilfsmittel wiederholt und teils akribisch genau geometrische Formen und Konstrukte. Er legt die Handlung wie auch das daraus resultierende skulpturale Bild auf das Format des Kameraobjektivs aus.
 
16. März, Donnerstag
Richard Serra
Prisoner’s Dilemma, 1974, 40 min 13 sek
 
Das Video „Gefangenendilemma“ hat Richard Serra (*1939 San Fancisco/Kalifornien, USA) in der Art von Spielshows inszeniert, wie sie in den 1970er Jahren von einem Millionenpublikum im Fernsehen konsumiert wurden. Der Künstler legt mediale Strategien solcher Fernsehshows frei und fragt nach dem kulturellen Wert dieser Formate.
 
17. März, Freitag
Franz West
Studien zu ernster Musik, 1988, 106 min
 
Studien zu ernster Musik gehört zu den wenigen Videoarbeiten von Franz West (*1947 Wien – 2012 Wien, Österreich). Der Künstler aktiviert hier seine Passstücke – skulpturale Arbeiten, die dem menschlichen Körper angelegt werden. Sie erinnern an Prothesen. West selbst sieht die Passstücke als Ausdruck von Neurosen. Unterschiedliche Akteure legen für die Videoarbeit Passstücke an und führen zu klassischer Musik groteske Bewegungen aus.
 
18. März, Samstag
Gerry Schum und Ursula Wevers
LAND ART (Fernsehausstellung I), 1969, 31 min 50 sek
 
Gerry Schum (1938 Köln – 1973 Düsseldorf, Deutschland) gehört gemeinsam mit seiner damaligen Partner Ursula Wevers (*1943) zu den Videopionieren. Mit der Fernsehausstellung LAND ART wollte er Kunst im Alltag der Menschen fest integrieren. Für das Projekt hat er mit acht Land Art Künstlern zusammengearbeitet. Land Art kam in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auf. Künstler haben zum Teil monumentale, zum Teil vergängliche Interventionen im Naturraum geschaffen.
 
19. März, Sonntag
Tracey Moffatt / Gary Hillberg
LOVE, 2003, 21 min
 
Durch die Zusammenstellung verschiedener Szenen aus Liebesfilmen, von romantisch-kitschig bis hin zu brutal-verstörend, setzen sich Tracey Moffatt (*1960 Brisbane, Australien) und Gary Hillberg (*1982 Perth, Australien) kritisch und zugleich humorvoll mit diesem Genre auseinander. Sie entwickeln anhand von zahlreichen found footages der Kinogeschichte einen neuen Plot.
 
21. März, Dienstag
Peter Hutchinson
Foraging, 1971, 16 min 43 sek
The End of Letters, Ice Age, Snails, Tomatoes, 1970/1972, 14 min 30 sek
 
Peter Hutchinson (*1930 London, Großbritannien) verknüpft in seinem Werk Land Art und Concept Art miteinander. In beiden Arbeiten demonstriert er Natur als Lebensraum: einmal als Nahrungssuche auf einer Wanderung durch eine Berglandschaft, einmal werden Nahrungsmittel zu Buchstaben. Schrift und Worte bilden die Klammer zwischen Mensch und Natur.
 
22. März, Mittwoch
Keith Sonnier
Animation I, 1973, 2 min 52 sek
Animation II, 1974, 25 min


Keith Sonnier
Animation I, 1973, Farbe, Ton, 2’ 52’’
(Filmstill)
Slg. Kunstmuseen Krefeld
© 2017 VG Bild-Kunst, Bonn

 

Keith Sonnier (*1941 Mamou/Louisiana, USA) verbindet in beiden Werken mehrere Bild- und Tonebenen durch Techniken der Videobearbeitung miteinander, sodass eine Fülle an verschiedensten audiovisuellen Eindrücken entsteht. Er nutzt dafür Bildmaterial aus aktuellen Fernsehnachrichten.
 
23. März, Donnerstag
William Wegman
Stick + Tooth, Peck + Chuck, Reel 3, 1972, 19 min 7 sek
Selected Works: Reel 6, 1975, 18 min 43 sek
 
Seit den 1970er Jahren arbeitet William Wegman (*1943 Holyoke, Massachusetts, USA) mit Weimaranern (Hunden) als seinem Hauptmotiv. Er inszeniert die Hunde mit unterschiedlichen Requisiten und in unterschiedlichen Sets. So kommt es zu immer wieder neuen Erzählungen, die so ausschweifend wie puristisch sind.
 
24. März, Freitag
Gilbert & George
A Portrait of the Artists as Young Men, 1972, 7 min 25 sek
Gordon’s Makes Us Drunk, 1972, 11 min 22 sek
In the Bush, 1972, 16 min 26 sek


Gilbert & George
A Portrait of the Artists as Young Men, 1972, s/w, Ton, 7’ 25’’
(Filmstill)
Slg. Kunstmuseen Krefeld
© die Künstler

 

Seit 1969 arbeiten die beiden Künstler als Gilbert (*1943 St. Martin in Thurn, Italien) & George (*1942 Plymouth, Großbritannien) zusammen. Sie heben die Trennung von Kunst und Leben auf und definieren sich selbst in letzter Konsequenz als ‘lebende Skulpturen’. Ein videografisches Bild dieser ‘lebenden Skulptur’ entwerfen sie in drei unterschiedlichen alltäglichen Szenen, in denen sie rauchen, trinken und einfach nur in einer Landschaft stehen.
 
25. März, Samstag
Bruce Nauman
Violent Incident – Man/Woman Segment, 1986, 30 min
 
Mit der Arbeit Violent Incident – Man/Woman Segment führt Bruce Nauman (*1941 Fort Wayne/Idiana, USA)) vor, wie Menschen miteinander umgehen. In einer bühnenhaften Situation entwickelt sich zwischen zwei (professionellen) Akteuren ein grausames und gewaltvolles Spiel. Nauman entwirft ein überaus düsteres und hoffnungsloses Bild der Gesellschaft in den 1980er Jahren.
 
26. März, Sonntag
Joseph Beuys
Eurasienstab, 1968, 21 min 27 sek
 
Joseph Beuys (1921 Krefeld – 1986 Düsseldorf, Deutschland) führte am 9. Februar 1968 die Aktion Eurasienstab in der Galerie Wide White Space in Antwerpen durch. Die Handlung dauerte 82 Minuten und wurde anschließend mit den wichtigsten Aktionen für die Kamera nochmals wiederholt. Mit symbolisch aufgeladenen Materialien wie Filz und Fett schafft Beuys ein Energiefeld, in dem die Kulturkreise Europa und Asien in Bezug gesetzt werden.