Nanni di Bartolo
Madonna mit Kind, um 1420 (Detail)
Gebrannter Ton, farbig gefasst, 120 x 53 x 43 cm
Sammlung Kunstmuseen Krefeld
Fotografie Volker Döhne

ENGE BINDUNG
RESTAURIERUNG VON ZWEI MADONNEN DER ITALIENISCHEN RENAISSANCE

KAISER WILHELM MUSEUM
13. DEZEMBER - 30. DEZEMBER 2009

Präsentation ab Sonntag, 13. Dezember 2009 zu den gewohnten Öffnungszeiten

Nach einem aufwendigen Restaurierungsprozess zeigen die Kunstmuseen Krefeld zwei außergewöhnliche Werke der italienischen Renaissance nun im ersten Stock des Kaiser Wilhelm Museums.

Die Skulptur von Nanni di Bartolo Madonna mit Kind (um 1420) und das gleichnamige Relief (um 1550) von Jacopo Sansovino wurden in einen mehr als ein Jahr dauernden Prozess von der Diplomrestauratorin Sabine Hermes aus Köln restauriert.

Ermöglicht wurde diese Instandsetzung durch die finanzielle Unterstützung der Bezirksregierung Düsseldorf im Rahmen des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen und durch eine großzügige private Spende aus Krefeld.

Die Terrakottaskulptur Madonna mit Kind von Nanni di Bartoli entstand wahrscheinlich um 1420 als der Künstler in Florenz im Atelier des Bildhauers Donatello arbeitete. Der Venezianer Jacopo Sansovino fertigte sein Relief um 1550.
Beide Madonnen entstammen der ehemaligen Aldof-von-Beckerath-Sammlung, von dem sich ein weiterer großer Fundus heute im Berliner Bode-Museum befindet.

Die Madonnenskulptur von Nanni di Bartolo gehört zu den wenigen erhaltenen Terrakotten der Frührenaissance. Die Figurengruppe mit Mutter und Sohn ist beinahe lebensgroß und farbig gefasst. Maria trägt einen blauen Mantel mit Sternenmuster und ein rotes Kleid, der Christusknabe ein helles Hemdchen, ihre Haare sind vergoldet. Das Jesuskind schlingt seine Ärmchen um Marias Hals, ihre Wangen schmiegen sich aneinander, doch schauen sich Mutter und Kind nicht an. Während die Gottesmutter relativ steif ist, weißt die Lebendigkeit des Kindchens darauf hin, dass der Künstler Studien nach der Natur anfertigte bevor er die Skulptur schuf.

Die Figuren von Jacopo Sansovinos Reliefs wirken sehr lebendig, Mutter und Sohn haben ihre Blicke aufeinander gerichtet. Das äußerst beweglich erscheinende Jesuskind ist im Vergleich zur Gottesmutter erstaunlich groß. Sein kräftiger Körperbau korrespondiert mit dem Marias. Während Maria mit einem rötlich-braunem Kleid und einem goldfarbenen Mantel bekleidet ist, bedeckt den Körper des Christusknaben nur spärlich ein braunes Tuch. Der Kopfschleier Marias ist ebenfalls vergoldet. Das gemalte Muster ist eine spätere Ergänzung. Die Gesichter der beiden Figuren sind naturalistisch bemalt, und der blaue Hintergrund wird von goldenen Sternen geziert.

Vor der Restaurierung befanden sich die beiden Madonnen in einem konservatorisch problematischen und ästhetisch unbefriedigenden Zustand. Verschiedene frühere z. T. gravierende ‚restauratorische' Eingriffe hatten deutliche Spuren hinterlassen.
Der Zustand der Terrakottaskulptur von Nanni di Bartolo war durch umfangreiche Materialverluste im Sockelbereich geprägt. Diese Ausbrüche wurden wahrscheinlich Ende der 1940 oder Anfang der 1950er Jahre in der Restaurierungswerkstatt des Kaiser Wilhelm Museums mit Gips ergänzt und übermalt. Diese Übermalungen überdeckten dabei großzügig angrenzende Fassungsbereiche. Auch bei dem seltenen Papiermacherelief (sog. Cartapesta) von Jacopo Sansovino störten verfälschende Übermalungen und Überkittungen das Erscheinungsbild.

Im Rahmen der Restaurierung wurden bei beiden Skulpturen zunächst konservatorische Maßnahmen zur Sicherung des materiellen Bestandes durchgeführt, vor allem eine Festigung der Farbfassung. Dann wurden in kleinen Schritten mit dem Skalpell und unter dem Mikroskop ältere Farbschichten abgenommen. So konnten Details wiederhergestellt werden. Einem zeitgemäßen Restaurierungsansatz folgend, lassen sich die neuen Retuschen der Fehlstellen im Nahbereich von der erhaltenen Farbsubstanz nun klar unterscheiden und beide Kunstwerke haben an Plastizität gewonnen. Durch die umfangreichen konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen ist die hohe ästhetische und formale Qualität der Madonnenbildnisse wieder ablesbar. Mit den Retuschierarbeiten wurde darüber hinaus eine deutliche Annäherung an das ursprüngliche Erscheinungsbild erreicht.

FÜHRUNGEN

13. Dezember 2009, Sonntag 15:00
Kaiser Wilhelm Museum
Mit Skalpell und Mikroskop - Führung zur Restaurierung
Sebastian Köhler, Diplomrestaurator

20. Dezember 2009, Sonntag 15:00
Kaiser Wilhelm Museum
Zwei Madonnen aus der Sammlung von Beckerath
Führung Dr. Sabine Röder, Kuratorin

30. Dezember 2009, Mittwoch 15:00
Kaiser Wilhelm Museum
Zwei Madonnen aus der Sammlung von Beckerath
Führung Dr. Sabine Röder, Kuratorin

Die Restaurierung wurde unterstützt durch